Wenn ich meine Eltern nach einem Haustier gefragt habe, kam immer nur „Du kannst ja nicht mal dein Zimmer aufräumen, wie willst du du auf ein Tier aufpassen?“ Absolut berechtigt, damals wäre sicher alles was mit dem Tier zu tun hat, an meinen Eltern hängen geblieben. So blieb der Hund immer ein Traum.

Zur selben Zeit, irgendwo in Japan, hatte Aki Maita von Bandai ähnliche Sorgen und überlegte sich, wie man die Kids der 90s mit Haustieren versorgen könnte, ohne lebenden Tieren Unglück zumuten zu müssen. Die Lösung kam ihr 1996, eine Idee war geboren und mir ihr das erste elektronische Tier-Spielzeug-Ei der Welt, das Tamagotchi.

Im Mai 1997 war es dann auch in Deutschland soweit, Bandai brachte das Tamagotchi auch zu uns, der wirkliche Boom um die Dinger war zwar kurz aber hat trotzdem bleibende Erinnerungen hinterlassen. Neben Bandai, die hier den Hauptvertrieb für sich beanspruchten, gab es auch jede Menge andere Hersteller, die das System kopierten und auch ein Stück vom Kuchen ab haben wollten. Teilweise produzierten sie das Ei für weniger Geld oder erweiterten es um weitere Funktionen.
Die krassen Schwarzmarktpreise, die man für die orginal Bandai-Eier bekommen konnte, verschweige ich jetzt mal!

Was hat man jetzt also in der Hand, nachdem man das lang ersehnte „iPet“ in den Händen hielt. Simple: Es war erst mal ein paar Pixel großes Tier und wollte seine Grundbedürfnisse gestillt haben: Essen, Trinken, Spielen, Medizin und Schlaf. Drei Knöpfe die vollkommen ausreichten. Kümmerte man sich jetzt liebevoll um seine Kreatur, war die Belohnung für seine Mühen die nächste Stufe. Jeah!

Bei meinem Tamagotchi damals, wie konnte ich dem Hype auch entkommen, gab es verschiedene Stammbäume, dem die Kreatur folgen konnte. Je nach Erfüllung der Wünsche und das aufmerksame Beschäftigen mit dem Ei konnte es sich perfekt entwickeln oder im schlechteren Stammbaum weiterleben.

Ziel war klar, das Ding durfte sich nur zum Best Möglichen entwickeln. Und fast hätte es auch geklappt, fast…
In den Sommerferien fuhren wir nach Holland. Die ganze Autofahrt über waren meine Augen nur auf das Ei gerichtet, um diesmal ja alles richtig zu machen. Eine Woche vorher war mir das Ding natürlich im ersten Versuch bitterlich verreckt, diesmal wollte ich aber alles Erforderliche erfüllen.

Nach den ersten beiden Wochen des Urlaubs war es dann so weit, in 24 Stunden würde ich die perfekte, ersehnte Stufe erreichen, die Kreatur würde endlich top of the World sein! Was passierte nun? Tragische Wende. Auf dem Weg zum Strand vergesse ich natürlich das Ei in der Ferienwohnung, der Scheiß Strand liegt natürlich etliche Kilometer weiter weg, alle Versuche meine Eltern dazu zu überreden, so schnell wie möglich zurück zu fahren scheitern jämmerlich. Alles, mein Leben stand auf dem Spiel. ZWEI SEKUNDEN OHNE ESSEN und das Ding WAR TOT!

Shit.

Meine Eltern hatten nur ein Schmunzeln im Gesicht und ich stieß auf taube Ohren. „Drück auf den Reset Knopf und dann machst wieder alles von neu…“ ich glaube nach dem Satz bin ich am Strand zusammengebrochen …neu? Wtf!

Am Abend kommen wir also an der Ferienwohnung an, ich springe während der Fahrt aus dem Auto, renne wie Usain Bolt zur Tür, trete sie gefühlt ein, und stürme in mein Zimmer. Ich weiß doch, was kommt, was für Hoffnung mache ich mir…meine Hände zittern und das Ei fällt dramatisch aus der Hand…die Kreatur ist tot…!

Alles umsonst. RIP.

Was für ein Zeitkiller, hab dann ein Eis bekommen und alles war gut. Das Ei wurde dann erstmal schön aus meinem Leben verbannt.

So schnell es in die 90s gekommen ist, so schnell war es auch wieder weg. Mit etlichen Neu-Auflagen, sogar vor Konsolen machte es keinen Halt. Bandai versuchte an dem Konzept festzuhalten. Vergebeblich, am Ende sind es halt doch nur Pixel und kein echtes Haustier. Wer braucht auch Elektronische, wenn es Echte gibt?
Wobei der Aibo von Sony, der wär was Feines, den hätte ich jetzt doch sehr gerne…ebay?

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  1. Ich erinnere mich ganz genau an den Sommer, als das Tamagotchi so „in“ war. Ich war 13 und bekam es als Ersatz für ein Pferd (Pferd, hihihihihi) Trotz größter Aufopferung kam es über das 2. Stadium nie hinaus… immer wurde es krank ubd starb weg. Und als wir auf Urlaub haben wurde die Mutter meinesbesten Freundes zur Tamagotchi-Sitterin… und kümmerte sich um 5 Tamagotchis, deren Besitzer/innen gerade schwimmen waren… ein Jahr darauf hatte ich das Tamagotchi durch meiben ersten Freund ersetzt… und der Pferde-Wunsch war auch nicht mehr aktuell… ach jaaaaa…

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