Far away in America, let´s go – home

Die Fußball-WM´94 ist die erste WM, die ich noch vollständig in Erinnerung habe (bis auf das „We are the Champions“ nach dem Endspiel ´90 kann ich altersbedingt nichts mehr mit dem Titelgewinn assoziieren ). Wahrscheinlich liegt es daran, dass die erste WM in dem fußballerischen Entwicklungsland USA abseits vom Sport einiges zu bieten hatte: Als die Welt dem Euro-Trash-Pop verfallen war, entschied sich der DFB zu einem musikalischen Offenbarungseid. Nachdem mit Hilfe von Udo Jürgens 1990 quasi im Duett die WM´90 gewonnen wurde, durfte der Weltmeister nun mit den YMCA-Brüdern die geografische Distanz besingen. Als wäre die Liebe zur Musik von David Hasselhoff nicht schon genug, mussten neben Poilzist, Bauarbeiter, Cowboy und Indianer nun also auch 22 deutsche Fußballer herhalten und die Village People komplettieren.

Während also das Team „Far away in America“ war, wurde ihrem Trainer ein ganz eigener Song gewidmet. Bert Vogts hatte es nicht leicht: Als Nachfolger von Franz Beckenbauer, der Lichtgestalt und der Übermensch des deutschen Fußballs, trat der sympathische und charismatische Terrier in buchstäblich große Fußstapfen. Der nach der Finalniederlage bei der EM´92 gegen das Pommes-Rot-Weiß-Standby-Team aus Dänemark ohnehin in der Kritik stehende Vogts hatte mit dem damaligen VIVA-Moderator Stefan Raab seinen größten Fan gefunden. Die nervige Ode reihte sich nahtlos an das Spielniveau der Truppe ein. Dass es „Böörti Böörti Vogts“ auf Platz ? der Charts schaffte, ermutigte sicher „Die Doofen“ , „Zlatko und Jürgen“ und „DJ Ötzi“ Musik zu machen. Was Trash angeht, war Deutschland auf jeden Fall Weltmeister.

Zur sportlichen Titelverteidigung hat es letztlich nicht gereicht. Die Truppe, die nach O-Ton Lichtgestalt „auf Jahre hinweg unschlagbar“ sein werde, brachte nicht viel auf die Kette. Nach einem 1:0 gegen Bolivien, einem 1:1 Unentschieden gegen Spanien kam es beim 3:2 gegen Südkorea zum Eklat. Als Deutschland eine klare 3:0-Führung fast verspielte, begleiteten die Fans die Auswechslung von Stefan Effenberg standesgemäß mit Pfiffen. Effe dankte mit dem bis heute legendären Stinkefinger und wurde von Böörti nach Hause geschickt. Bis zur Begnadigung durch Erich „Wie-ist-der-jemals-Bundestrainer-geworden“ Ribbeck acht Jahre später war das dann auch sein letztes Spiel im DFB-Dress.

Ohne den Tiger spielte der DFB auch nicht unbedingt besser: Das hart umkämpfte Achtelfinale gegen Belgien ging 3:2 aus. Im Viertelfinale war dann Endstation. Bulgaren-Glatze Yordan Letchkov köpfte das 2:1 und Deutschland schied verdient aus. Nicht nur Amerika, auch der Titel war weit weg.

Wie ging es weiter? In einem ereignislosen Finale hämmerte Roberto Baggio nach torlosen 120 Minuten, als Pionier des Männerzopfs quasi der stilistische David Beckham der 90er, den letzten Elfer in den Himmel und machte Brasilien so zum dritten Mal zum Weltmeister.

His Airness Michael Jordan warb auch für die WM

Ein Nachtrag zum Thema Style

Der mexikanische Torwart Jorge Campos hatte bei der WM übrigens den ultimativen 90s Dress an. Respekt dafür!

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